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28.08.2018 02:36 Alter: 21 days
Kategorie: Gemeindeleben

„Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“


Das sagt Jesus zu seinen Jüngern in Lukas 12,34

Einkaufen ist heutzutage „easy going“. Man muss in kein Geschäft mehr fahren, um das richtige Produkt zu finden, sondern sucht bequem vom Laptop aus das passende Angebot heraus. Man loggt sich ein und schon ist sie da, die bunte Einkaufswelt der Shoppingportale. Preisvergleich inklusive. Dann nur noch bestellen, und der nette Postbote bringt es persönlich vorbei. (Unser Postbote erzählte mir vor Kurzem: Die Paketzustellungen steigen jedes Jahr um über 10 % an. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen.)

Letztens war ich wieder einmal bei einem großen Internetanbieter unterwegs. (Ich verrate nicht bei wem, aber er fängt mit A an und hört mit N auf.) Und da fiel es mir wieder auf. Die wissen ganz genau, was ihre Kunden interessiert. Die Suchanfragen werden gespeichert und ist ein Produkt ausgewählt, wird uns sofort angezeigt, was uns an Zubehör noch interessieren könnte. Das ist für uns inzwischen das Normalste von der Welt. Ist ja auch praktisch, aber schon auch irgendwie unheimlich.

Es ist wie ein Blick in unser Herz. Denn, für was wir uns interessieren, was wir anschauen, an Filmen streamen, oder am PC spielen, das ist unleugbar das, was uns gefällt. Anhand der Einkaufsliste kann man ne’ Menge über einen Menschen sagen. Und genau darin liegt ja auch das Problem. Wer kennt und nutzt eigentlich unsere persönlichen Daten? Der Mensch wird durchsichtig und manipulierbar. Die Wirtschaft (und auch die Politik) bekommt Einblick in das, was wir Menschen wirklich denken, fühlen und wollen. 

Nun ist dieser Blick in unsere Seele für Gott nichts Neues. Er sieht seit Jahrtausenden direkt hinein. Aber wir gehen gefährlichen Zeiten entgegen, wenn unsere Gedankenwelt und unsere persönlichsten Informationen von Firmen, Organisationen oder sogar Staaten ausspioniert werden können.  (Und wir stehen hier erst am Anfang, längst ist das Datensammeln zu einem Geschäft geworden. Inzwischen werden Techniken weiterentwickelt, die unsere Gehirne digital mit Computern vernetzen können und vielleicht sogar irgendwann einmal direkte Gedankenübertragung an andere Personen möglich machen.) 

Mit meinen Gedanken hier noch beschäftigt, werde ich plötzlich an anderer Stelle nachdenklich. Wenn ich mir mein Leben anschaue und vielleicht auch meine Bestellliste, was kann ich über mich hier lernen? Was würde ein Dritter über mich denken oder wie mich beurteilen? Bestelllisten lügen nicht. Wer bin ich eigentlich wirklich? Was ist mir wirklich wichtig?

Gott weiß das auch ohne die Daten des großen Unternehmens mit „A“ und „N“ schon längst. Er weiß, woran unser Herz hängt. Und deshalb hat Jesus seine Jünger auch darauf hingewiesen. Leute, ihr könnt versuchen anderen etwas vorzumachen, aber bei Gott geht das nicht. Da wo euer Schatz ist (was uns beschäftigt, bewegt, mit Leidenschaft erfüllt), da wird auch euer Herz sein.

Wieder einmal eine Kampfansage an den religiösen Menschen in uns. Ohne Liebe zu Gott, ohne echtes Interesse an ihm, kann der Glaube nicht zu einem Schatz für uns werden und bleibt Religion.

Viele Fragen steigen plötzlich auf:

            Warum, um alles in der Welt, ist mir Jesus nicht wichtiger? Wenn er mir das Wichtigste wäre, würde er doch wirklich meine Gedankenwelt beherrschen und meine Entscheidungen mehr beeinflussen.

            Warum ist mir anderes so wichtig? Leben wir wirklich so, wie es Paulus einmal gesagt hat: „Die Zeit ist kurz, darum sollen auch die, … die die Güter dieser Welt gebrauchen, sie verwenden, als brauchten sie sie nicht. Denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (1. Kor 7, 31).

            Warum hüte ich so viele „Pseudo-Schätze“, die ich eigentlich gar nicht brauche, oder die mich von Jesus wegziehen? Christen müssten doch Manches leichter loslassen können. Wir definieren uns nicht mehr über unseren Besitz, wie der reiche Kornbauer, von dem Jesus kurz vorher erzählt hatte. Sie können sogar fröhlich abgeben von dem, worüber sie frei verfügen können (so die wörtliche Bedeutung von V 33a: „Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen“). Sie haben ja einen Schatz im Himmel – und dorthin gehören sie mit ihrem ganzen Leben und mit ihrer ganzen Sehnsucht: „Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“

Was wird Gott einmal zu mir sagen, wenn er meine Prioritäten in Punkto „Schätzesammeln“ einschätzen wird? Wird er zornig sein? Vielleicht, aber viel wahrscheinlicher wird er traurig sein und fragen: „Warum hast du nicht mehr auf mich vertraut. Alles wirklich Wichtige, alles wirklich Bewahrens – und Schützenswerte, alles wirklich Bedeutsame, das kommt allein von mir.“

Und nicht von denen mit „A“ und „N“.

Alles Gute und einen gesegneten September wünscht Euch, Euer Bastian