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25.07.2018 02:36 Alter: 55 days
Kategorie: Gemeindeleben

Pilgerwanderung


Es ist Sonntag, der 22. Juli 2018. Heute steht die große Pilgerwanderung mit den ausgebildeten Pilgern Stephan Lambrecht und Frank Mühlenmeier an. Wenn man „Pilger“ bei Wikipedia nachschaut, wird einem Folgendes mitgeteilt: „Pilger -> ist eine Person, die aus religiösen Gründen in die Fremde geht.“ Die „Fremde“ wird heute Hillentrup Dorfkirche sein. Während des Gottesdienstes stimmt Stephan Lambrecht uns schon einmal ein bisserl auf die Wanderung ein und gibt klare Anweisungen. Nach dem Gottesdienst dürfen wir noch auf Toilette, und danach wird sich unverzüglich auf dem Parkplatz getroffen. Es findet sich eine bunt gemischte Gruppe von 38 Personen auf dem Parkplatz ein. Los geht’s! Oberhalb des Bösingfelder Freibads sammeln wir uns noch einmal und bekommen ein kleines Blatt Papier mit den Textzeilen:

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott! Sei mit uns auf unsern Wegen! Sei Kompass und Wind, wo wir auch sind, sei um uns mit deinem Segen!

 

Als wir die Zeilen zusammen singen, bekomm‘ ich zum ersten Mal eine Gänsehaut! Die Worte Frieden und Harmonie fallen mir ein.

Das Wetter ist super, und weiter geht es zu unserem ersten Ziel: Mittagessen mit Chefkoch Klaus Maurer in Hohensonne auf dem Hof ‚Sonnenpferde‘ von Sandra Ernst. Etwa eine halbe Stunde vor unserem ersten Ziel halten wir an, wir singen unsere Zeilen, und wer möchte, kann sich aus einem Kartenstapel eine Karte ziehen. Der Text dieser Karte soll uns die nächste halbe Stunde beim Pilgern begleiten, ab jetzt wird schweigend weitergegangen. Wieder bekomme ich eine Gänsehaut. 38 Personen gehen schweigend nebeneinander bzw. hintereinander her, jeder in Gedanken vertieft.

Auf dem Sonnenpferde-Hof angekommen begrüßt uns der Herr Chefkoch persönlich mit seinem Mainzer Charme – Na endlich! Es gibt selbstgemachte Buletten, die wir mit Salat, Toastbrot und vielerlei mehr zu einem Hamburger zusammenbasteln können.

Nach unserem gemeinsamen Mittagessen geht es weiter. Es folgen wunderschöne Stunden mit Gesprächen, und immer wieder wird angehalten und gesungen. Kurz vor unserem Endziel halten wir an einem Bach an. Es werden kleine Gelatineblätter verteilt. Wer möchte, kann seine Sorgen oder Ängste mit einem Stift auf diese Blättchen schrei­ben und diese dann in dem Bach auf die Reise schicken. Ich nehme keins, beobachte aber, wie die Blättchen an mir vorbeischwimmen und sich im Wasser auflösen. Wieder kommt diese Gänsehaut!! Ich bin zufrieden und dankbar. Dankbar für diese tolle Erfahrung, dankbar für die tollen Gespräche, aber auch für das Schweigen. Dankbar für die Menschen um mich rum, dankbar für das tolle Essen und noch für so vieles mehr.

Die restliche Strecke zur Dorfkirche ist kurz, aber wunderschön. Für einen Moment denke ich, ich wäre im Freilichtmuseum. In der Kirche haben wir den Abschluss. Es wird das letzte Mal gesungen, und es hört sich durch die Akustik noch schöner an als zuvor. Frank Mühlenmeier erzählt uns einiges über diese Dorfkirche, in der er groß geworden ist. Noch ein Gebet, und der wunderschöne Tag ist vorbei. Autos stehen bereit, um uns Pilger aus der Fremde nach Hause zu bringen. Es war super organisiert, und ich persönlich bin dem Heiligen Geist während dieser 14 km öfter begegnet. Vielen herzlichen Dank an alle!

Steffi Bracht