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25.04.2018 02:40 Alter: 114 days
Kategorie: Mission, Gemeindeleben
Von: Helga Goldsche

Missionarskinder


Missionarskinder werden auch „Third Culture kids“. - Drittkulturenkinder genannt. Ein Drittkulturenkind ist jemand, der in der Entwicklungsphase die meiste Zeit nicht in seinem Heimatland, sondern auf dem Missionsfeld aufgewachsen ist.

Um Missionarskinder zu verstehen, sollte uns bewusst werden, dass sie schon eine besondere Spezies sind. Woher kommt das? Während ein Kind, welches in Deutschland aufwächst, ganz selbstverständlich und meist unbewusst, durch seine Eltern in die eigene Kultur  hineinwächst, ist ein Missionarskind in dreifacher Weise gefordert.

Es lernt durch die Eltern die Heimatkultur kennen, also die erste Kultur, dann im Missionsland die Kultur der Menschen, unter denen die Eltern arbeiten, also eine zweite Kultur. Um selber zwischen den beiden Kulturen klarzukommen, bildet es eine eigene dritte Kultur, eine Mischung aus der ersten und zweiten Kultur. Aber das  ist noch nicht alles.  Während ein Kind in Deutschland Wurzeln schlägt, dadurch, dass es normalerweise an einem Ort wohnt,  feste Gewohnheiten und verwandtschaftliche Beziehungen sein Leben prägen, ergeht es einem Missionarskind anders. Durch viele Wechsel wie Umzug, Versetzung auf dem Missionsfeld, Heimatdienst u.a.m. kann es keine Wurzeln schlagen. Da hat zum Beispiel ein Mädchen in der Schule gerade eine Freundin gefunden, aber dann muss es schon wieder die Koffer packen und weiterziehen. Das ist nicht immer leicht zu verkraften und bedarf seitens der Eltern viel Weisheit, die Kinder zu erziehen und den Mangel zu kompensieren.

Hinzu kommt die schulische Ausbildung. In vielen Ländern gibt es in der Nähe der Missionsstation keine deutsche Schule, wenn überhaupt. Meistens ist die Mutter gefordert, in den ersten Schuljahren ihre Kinder zu unterrichten und muss den Spagat zwischen Mutter und Lehrerin schaffen.  Das ist nicht immer einfach. Deshalb haben einige Missionsgesellschaften „Kurzzeitler“, die diese Aufgabe übernehmen. Aber manche Missionarskinder müssen auch ins Internat, und es ist für Eltern und Kinder nicht einfach, Trennungszeiten auszuhalten.

Wie geht es weiter, wenn es um Berufsfragen und Studium geht? Einige Missionsgesellschaften raten den Eltern, um ihrer Kinder willen in dieser Phase ihren Dienst zu unterbrechen, damit sie sich in Deutschland integrieren und eingewöhnen können. Andere dagegen sind getrennt, die Kinder in Deutschland und die Eltern auf dem Missionsfeld.

Missionarskinder haben Vor- und Nachteile. Ich will einige davon aufzählen: Sie sprechen meistens mehrere Sprachen, akzeptieren Menschen, die anders sind, leichter und sind flexibel, wenn sie z. B. aus beruflichen Gründen umziehen müssen.

Aber sie haben auch Identitätsfragen, meinen, nicht dazuzugehören, und ihnen fehlen die Wurzeln.

Missionarskinder brauchen unser Gebet. Aber was sie am meisten brauchen, sind Freunde, die sie  annehmen, wie sie sind, und die ihnen echte Freundschaft entgegenbringen; Freunde, die ihnen helfen, wieder in ihrer Heimatkultur klarzukommen und sie nicht auslachen. Hier sind auch die Eltern dieser Kinder gefordert, die ihnen erklären, warum Missionarskinder oft so reagieren und sich so anders verhalten.

In diesem Sinn möchte ich euch die Familien Nullmeier und Koduthore anbefehlen. Larissa und Jan Phillip sind schon in Deutschland, aber ab Juni wird die ganze Familie einen Neubeginn in der Heimat haben. Rüdiger braucht einen Arbeitsplatz. Bitte denkt an sie im Gebet!

Bei Familie Koduthore sind alle Kinder in Deutschland bzw. Europa. Jon ist in Holland, Lisa in Schottland, Micha in Korntal und Josia war nach dem FSJ auf der Logos. Er hat hier noch nicht seinen Platz gefunden und braucht in besonderer Weise unsere Fürbitte. 

Helga Goldsche