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01.06.2018 02:41 Alter: 140 days
Kategorie: Gemeindeleben
Von: Bastian Meyer

Friedensstifter


Liebe blickpunkt-Leser,

wer heute die Dresdner Frauenkirche besucht, kann ein altes Eisenkreuz bewundern. Es ist merkwürdig verbogen, in sich verdreht und sehr verwittert. Es wurde 1995 bei Restaurierungsarbeiten wiedergefunden. Sofort erkannte man, dass es sich um das original Turmkreuz handelte, das Johann Georg Schmidt 1738 konstruiert hatte und das den Feuersturm der britischen Bombenangriffe 1945 überlebt hatte. Heute steht es in nicht restauriertem Zustand im Kirchenschiff und erinnert seine Betrachter an die Dresdner Schreckensnacht im Februar 1945 und die Folgen von Hybris, Hass und Kriegstreiberei.

Aber es erinnert uns auch an die Kraft des Friedens und der Versöhnung. Inzwischen krönt die Frauenkirche ein neues Kreuz, und dahinter verbirgt sich eine bewegende Friedensgeschichte.

Verantwortlich für dieses neue Kreuz ist der britische Schmied und Künstler Alan Smith aus Coventry. Coventry war 1940 von deutschen Bomben total zerstört worden. Smith‘ Vater war einer der Bomberpiloten, die im Zweiten Weltkrieg ihre tödliche Last auf Dresden abwarfen. Alans Vater erzählte „vom unglaublichen Feuerball“, den er auf dem Rückflug noch meilenweit sehen konnte. Von einem auf den anderen Moment wurde er sich des Horrors, des Leides bewusst. Sein Hass auf die Deutschen wurde bezwungen von Mitleid und Reue. Er wollte, dass Dresden „nicht in Vergessenheit gerät.“ Der kurze Bericht seines Vaters grub sich tief ein in Alan Smith‘ Gedächtnis.

Am 13. Februar 1995, dem 50. Jahrestag der Zerstörung Dresdens, sagte der Herzog von Kent als Vertreter der britischen Krone Dresden ein neues Turmkreuz zu. Rund 550.000 Euro sammelte der „Dresden Trust“ von vielen Spendern - auch der Königin - für das Werk nach historischem Vorbild. Als Alan Smith davon hörte, wollte er dieses Kreuz bauen. Und er durfte es. Acht Monate lang arbeitete der Sohn des Bomberpiloten anhand von Originalentwürfen seines Namensvetters Johann Georg Schmidt an dem monumentalen vergoldeten Kreuz. Das Kuppelkreuz wurde sein wichtigstes und schönstes Werk. Als der Herzog von Kent am 13. Februar 2000 das britische Geschenk in Anwesenheit von 18.000 Zuschauern vor der Frauenkirche übergab, nannte er es ein „Symbol des Leidens und der Versöhnung“.

Wer als Christ vor dem alten Dresdner Kuppelkreuz steht, wird an etwas Wichtiges erinnert. Christus hat uns berufen, Botschafter seines Friedens in der Welt zu sein. Wir sind berufen, Frieden zu stiften, in Konflikten zu vermitteln, zur Versöhnung einzuladen und Brücken zu bauen, wo es soziale Gruppen und Völker nicht können. Viel zu oft haben wir diese Aufgabe nicht angenommen und haben stattdessen mitgeschrien und mitgekämpft. Christen sollen Friedensbringer sein und Hoffnungsträger; Leute, die vom guten Ende her denken und alles aus der Perspektive der Hoffnung sehen. Eines Tages werden die Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet (Jes 2, 4) und zertrümmerte Städte wieder aufgebaut werden (Jes 61, 4), und Völker werden sich unter Jesu Herrschaft versöhnen. Die Kraft, die dies ermöglichen wird, ist durch Christus heute in der Welt. Eph 2,14 „Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm.“ Dieser Friede kann Ehen retten und Geschwister versöhnen. Er kann Familien erneuern und Nachbarn zu Freunden werden lassen. 

„Seid Friedensstifter!“, sagt uns die Bibel und schreibt eigene Friedensgeschichten! Überwindet als erste den tödlichen Kreislauf von Ablehnung, Hass und Gewalt, so werdet ihr zum Ankerplatz des Friedens für andere werden. Man erkennt einen Christen (und auch eine Gemeinde) am Maß des Friedens, welches von ihm ausgeht und sein Umfeld beeinflusst.

Dabei dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Ja, heute leiden wir an unserer Welt. An jedem Kriegstag wird der Hass zementiert, der ganze Völker voneinander trennt.  Um hier nicht den Mut zu verlieren, brauchen wir zwei Dinge: Wir müssen Christus bitten, uns seine Kraft zu schenken, und wir müssen auf Mut machende, bewegende Geschichten hören, wie die des Dresdner Kuppelkreuzes. 

Der Friedensforscher Jean Paul Lederach schreibt: Wenn wir unseren Blick von den Schlagzeilen, die von Gewalt und Krieg sprechen, auf die Geschichten der Hoffnung und Versöhnung weglenken, werden wir nicht nur Inspiration erleben; wir finden ganz praktische Anleitung, wie wir leben, lieben und als Botschafter des Friedens inmitten der Konflikte leben können.“ (Vom Konflikt zur Versöhnung S. 190)

Ich wünsche Ihnen Gottes Frieden

und einen gesegneten Juni

Ihr Bastian Meyer