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03.05.2018 02:40 Alter: 106 days
Kategorie: Gemeindeleben
Von: Jens Deiß

An(ge)dacht


Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt. Johannes 15,16

Jeder Mensch hat eine ganz persönliche Glaubensgeschichte. In der letzten Ausgabe des Blickpunkts haben einige Menschen aus unserer Gemeinde kurz davon berichtet. Diese Geschichten sind so bunt und vielfältig, wie wir es sind.

Auch ich habe in wenigen Sätzen erzählt, welche Schritte bei mir dazu führten, dass ich Jesus kennengelernt habe. Allerdings habe ich wegen der Kürze eine Sache ausgelassen, nämlich eine erste Glaubenskrise, die ich bereits kurze Zeit nach meiner Hinwendung zu Jesus erlebte. Ich habe mich gefragt: „Hat Gott wirklich in mein Leben gesprochen, oder habe ich mir meine Bekehrung bloß eingebildet und versuche jetzt, aus mir selbst heraus fromm zu leben?“

Irgendwie war ich da verunsichert. Der Teenkreis und die Gemeinde, in der ich ein geistliches Zuhause fand, betonten auf der einen Seite, dass der Glaube ein Geschenk ist, und dass Gott mich so annimmt, wie ich bin. Doch auf der anderen Seite wurden Veränderungen im Leben der Neubekehrten erwartet. Da kam schnell die Frage auf: „Ist mein Glaube also doch (m)eine Leistung?“ bzw. bestätigt sich hier nicht das alte Vorurteil: „Christsein bedeutet, viele Regeln und wenig Spaß zu haben.“?

Beim Lesen der Bibel fand ich bald Antworten auf meine Fragen. Im fünfzehnten Kapitel des Johannesevangeliums beschreibt Jesus Gott als Weinstock und uns als seine Reben. Wenn die Sonne scheint und der Weinstock Wasser bekommt, wird auf natürliche Weise Frucht entstehen. Ebenso geschieht das, wenn wir mit Gott verbunden sind. Nicht aus eigenem Bemühen, oder im Sinne von guten Vorsätzen, sondern als natürliche Folge unserer Beziehung mit Gott. Dieses Versprechen hat mich beeindruckt und mir neu gezeigt: Beim Glauben geht es nicht in erster Linie um Gehorsam oder Regeln, sondern um eine vertrauensvolle Beziehung.

Diese beginnt bei Gott und nicht bei uns. Jesus betont das, wenn er sagt (Joh 15,16): „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und dass eure Frucht bleibt.“ Hier wird deutlich, dass Glaube keine menschliche Leistung, sondern ein Geschenk Gottes ist. Und doch beginnt mit der Gabe des Glaubens erst die persönliche Glaubensreise. Ähnlich wie bei einem begabten Klavierspieler. Seine Gabe mag sehr groß sein, doch ohne die intensive Beschäftigung mit seinem Instrument, wird er kein guter Pianist werden. In diesem Sinne haben auch wir einen Einfluss darauf, wie sich unser Glauben entwickelt.

Bei der Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten, in der Gemeinschaft mit anderen Christen, beim Beten und Lesen der Bibel kann sich unser Glaube erst richtig entfalten. Darum lade ich Sie ganz herzlich in die verschiedenen Gruppen und Kreise unserer Gemeinde ein.

Für Menschen, die Gott erst vor Kurzen kennengelernt haben, werden mein Kollege Bastian Meyer und ich in den kommenden Wochen mehrere Abende anbieten (17.April bis 29. Mai), an denen wir uns gemeinsam mit den Grundlagen des Glaubens beschäftigen. Am 3. Juni werden wir dann zusammen einen Taufgottesdienst feiern. Dort bekommen alle, die erkannt haben, dass Gott sie erwählt hat, die Möglichkeit, dies durch das äußere Zeichen der Taufe zu bekennen.

Wer Gott in seinem Leben die Führung überlässt, wird nicht vor jeder (Glaubens-) Krise verschont. Doch wir dürfen vertrauen, dass derjenige, der uns erwählt hat, uns auch ans Ziel bringen wird. In diesem Sinne

wünsche ich Ihnen eine spannende Glaubensreise mit unserem Herrn und einen gesegneten Frühling!

Jens Deiß