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27.06.2018 02:34 Alter: 20 days
Kategorie: Gemeindeleben
Von: Jens Deiß

Abschied nehmen


Aus gegebenem Anlass möchte ich über das Thema Abschied nachdenken. Denn nach vier Jahren verlassen meine Familie und ich das Extertal. Die FeG Bad Schönborn (bei Heidelberg) hat mich als Pastor berufen. Das bedeutet, dass wir Abschied nehmen müssen.

Abschiednehmen tut oft weh. Es geschieht beim Wechsel der Arbeitsstelle oder Schule, bei einem Umzug oder dem Tod eines geliebten Menschen. In der Bibel ist in ganz unterschiedlichen Situationen vom Abschiednehmen die Rede: Abraham wird von Gott aufgefordert, seine Heimat zu verlassen. Josef wird gegen seinen Willen als Sklave nach Ägypten verkauft. Im Johannesevangelium sind uns Jesu Abschiedsreden an seine Schüler überliefert. Doch Abschied bedeutet nicht nur Trauer. Er ist auch immer ein Aufbruch und Neubeginn. Abrahams Nachfolger werden zu einem großen Volk, als Stellvertreter des Pharaos rettet Josef die Israeliten vor dem Verhungern, und als Jesus geht, kommt der Heilige Geist.

Damit ein Abschied in guter Weise geschehen kann, scheinen mir drei Dinge wichtig zu sein. Erstens: dankbar zurückschauen! Es gibt so viele schöne Momente, die man miteinander erlebt hat. Oft feiert man zur Erinnerung Abschiedsfeste, bei denen man dankbar zurückschaut. Ich stelle mir vor, dass Abraham noch einmal über seine Felder gegangen ist, um sich von seiner Heimat zu verabschieden, bevor er in das unbekannte Land aufbrach. Oder auch Jesus, der seinen letzten irdischen Lebensabend mit seinen Jüngern verbringt und dabei sagt (Lk 22,15): „Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, dieses Passamahl mit euch zu feiern, bevor ich leiden muss.“

Als Familie blicken wir dankbar zurück auf die guten Freundschaften, inspirierende Gottesdienste, spannende Jugendfreizeiten, tobende Kinder in der WinterSpielWelt, verrückte Wohnwochen und zahlreiche Teenkreis-, BU- und Jugendstunden, die wir erleben konnten. Es war eine tolle Zeit, und wir sind Gott dankbar, dass wir sie mit vielen von euch erlebt haben!

Bei einem Abschied muss man zweitens: Unfertiges loslassen und an Gott zurückgeben. Wer nicht loslassen kann, bleibt in der Vergangenheit stecken. Er trauert dem ewig Gestrigen nach oder wird bitter. Darum tut es uns gut, wenn wir bei einem Abschied Unfertiges loslassen und an Gott zurückgeben. Wir sehen das in dramatischer Konsequenz bei Jesus. Als er am Kreuz stirbt, betet er sogar noch für diejenigen, die ihm Unrecht getan haben (Lk 23,34): „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Beim Abschied legt er seine Schmerzen und das erfahrene Unrecht vor Gottes Füße.

Auch bei unserem bevorstehenden Umzug als Familie werden Dinge unfertig bleiben. Beziehungen werden auseinandergehen. Bestimmt habe ich als Jugendpastor den einen oder anderen enttäuscht, weil ich etwas nicht so umgesetzt habe, wie er oder sie es sich gewünscht hat. Manches habe ich angefangen, aber nicht abgeschlossen. Als Christen sind wir eingeladen, Jesu Beispiel zu folgen. Wir sollen einander vergeben und können Unfertiges in Gottes treue Hände zurücklegen. Damit wird unser Blick frei für die Zukunft. Denn drittens gehört zu einem gelungenen Abschied: mit Zuversicht nach vorne blicken und weitergehen. Jeder Abschied ist auch ein Aufbruch und Neubeginn. Das zeigen auch Jesu Worte an seine Schüler in Johannes 16,22. Angesichts seines baldigen Weggangs sagt er: „Auch ihr seid jetzt traurig; doch ich werde wieder zu euch kommen. Dann wird euer Herz voll Freude sein, und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen.“

Nach einem Abschied geht das Leben weiter. Wir dürfen darauf vertrauen, dass der Gott, der uns bisher begleitet hat, auch mit in die Zukunft geht. Jesus lenkt den Blick seiner Jünger darauf, dass sie sich eines Tages wiedersehen werden, und dass die Freude dann umso größer sein wird. Diese Hoffnung auf Gottes Neue Welt tröstet mich. Für uns Christen ist das Abschiednehmen immer nur ein Abschiednehmen auf Zeit. Am Ende siegt die Freude über das Wiedersehen bei Gott in einem himmlischen Zuhause, von dem wir auf Erden nur träumen können.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Sommer und sage: „Gott befohlen und bis zum Wiedersehen!“

Euer Jens